Wie wäre es, wenn Sie den Strom aus Ihrer Photovoltaikanlage mit Ihren Nachbarn oder Ihrer Familie teilen würden?

Immer mehr Haushalte in Luxemburg erzeugen ihren eigenen Strom mithilfe einer Photovoltaikanlage. Aber was tun, wenn die Erzeugung Ihren Bedarf übersteigt (und die Vergütung für den ins Netz eingespeisten Strom nicht zufriedenstellend ist)? Wie wäre es, wenn diese Energie Ihren Nachbarn, Ihren Verwandten oder anderen Personen zugutekommen könnte?

Gute Nachricht: Das ist möglich. Die Stromteilung ebnet den Weg für eine lokalere, solidarischere und intelligentere Nutzung erneuerbarer Energien – eine Win-Win-Situation für Erzeuger und Verbraucher gleichermaßen.

Stromteilung – wie funktioniert das?

Wenn eine Solaranlage Strom erzeugt, wird dieser zunächst in meinem Haushalt verbraucht. Das nennt man Eigenverbrauch.

Übersteigt die Erzeugung den Bedarf des Haushalts, kann der überschüssige Strom ins Netz eingespeist werden. (In der Regel ist die Vergütung für diesen eingespeisten Strom nicht besonders hoch.) Unter bestimmten Voraussetzungen ist es jedoch auch möglich, ihn mit anderen Verbrauchern zu teilen.

Das Ziel ist einfach: Mehr Menschen sollen lokal erzeugten Strom aus erneuerbaren Energien nutzen und von potenziell günstigeren Strompreisen profitieren können, während gleichzeitig eine effizientere Nutzung des Stromnetzes gefördert wird.
 

Welche verschiedenen Modelle der Stromteilung gibt es?

In Luxemburg gibt es verschiedene Modelle.

Kollektiver Eigenverbrauch: Stromteilung in einem Mehrfamilienhaus

In einem Wohnhaus kann der von einer Photovoltaikanlage erzeugte Strom auf mehrere Wohnungen aufgeteilt werden.
Die Bewohner teilen sich so direkt den vor Ort erzeugten Strom, ohne Netzentgelte für den geteilten Strom zahlen zu müssen.

Mehr über den kollektiven Eigenverbrauch erfahren

Lokale Energiegemeinschaft: Strom mit den Nachbarn teilen

Wenn mehrere Verbraucher und Erzeuger Strom in einem lokalen Umkreis von bis zu 300 Metern teilen möchten, können sie eine lokale Energiegemeinschaft gründen.

In diesem Fall ist eine rechtliche Struktur erforderlich, beispielsweise ein gemeinnütziger Verein (ASBL).
Dieses Modell ermöglicht es Nachbarn, Bewohnern eines Stadtviertels oder einer Gemeinde, Strom aus erneuerbaren Energien gemeinsam zu nutzen, ohne Netzentgelte für den geteilten Strom zahlen zu müssen.

Schritte zur gemeinsamen Nutzung von Solarstrom in einer Energiegemeinschaft

Nationale Energiegemeinschaft: Strom auf luxemburgischer Ebene teilen

Die gemeinsame Nutzung kann auch auf nationaler Ebene erfolgen.
Eine nationale Energiegemeinschaft ermöglicht es Mitgliedern aus verschiedenen Regionen Luxemburgs, gemeinsam dieselbe Stromerzeugung zu nutzen.
Diese Lösung kann beispielsweise für eine Stromteilung mit Angehörigen interessant sein, die anderswo im Land wohnen, oder für jede andere Form der Stromteilung, die über den Umkreis von 300 Metern hinausgeht. Allerdings fallen in diesem Fall Netzentgelte für die geteilten Strommengen an.

Stromteilung zwischen aktiven Kunden: eine neue Regelung steht bevor

Ab Herbst 2026 steht allen Verbrauchern eine neue Regelung zur Stromteilung zur Verfügung: die Stromteilung zwischen aktiven Kunden. Diese ermöglicht es, Strom ohne Entfernungsbeschränkung zu teilen, ohne dass dafür eine juristische Person gegründet werden muss. Obwohl für diese Regelung Netzentgelte anfallen, erleichtert sie die Einrichtung von Stromteilungsgruppen auf allen Ebenen.

Warum sollte man seinen Solarstrom in Luxemburg teilen?

Die Stromteilung kann sowohl für Erzeuger als auch für Verbraucher Vorteile bieten.
Für Erzeuger ermöglicht sie eine bessere Verwertung des überschüssigen Solarstroms.
Für Verbraucher kann sie den Zugang zu lokal erzeugtem Strom aus erneuerbaren Energien zu einem potenziell günstigen Tarif bieten.
Über den wirtschaftlichen Aspekt hinaus fördert die Stromteilung auch einen bewussteren Energieverbrauch. Die Teilnehmer werden dazu angeregt, mehr Strom zu verbrauchen, wenn Solarstrom verfügbar ist, was zu einem besseren Gleichgewicht im Stromnetz beitragen kann.

Wie lässt sich die Stromteilung verwalten und überwachen?

Die Stromteilung stützt sich auf digitale Tools, mit denen die zwischen den verschiedenen Mitgliedern geteilten Mengen verfolgt werden können.

In Luxemburg ermöglicht insbesondere die Plattform Leneda eine detaillierte Visualisierung der Stromflüsse innerhalb einer Stromteilungsgruppe. Jeder Erzeuger und Verbraucher kann seinen eigenen Verbrauch an selbstgenutztem, geteiltem oder aus dem Netz bezogenem Strom verfolgen. Der Vertreter der Gruppe verfügt seinerseits über einen Überblick über die zwischen allen Mitgliedern geteilten Strommengen. Dank dieser Transparenz und des Zugriffs auf herunterladbare Daten wird die Verwaltung einer Stromteilungsgruppe erheblich vereinfacht.

Ist die Stromteilung für Ihre Situation geeignet?

Jedes Projekt ist anders. Bevor Sie einer Stromteilungsgruppe beitreten oder eine solche gründen, kann es hilfreich sein, sich folgende Fragen zu stellen:

  • Verfügen Sie bereits über eine Photovoltaikanlage?
  • Erzeugen Sie regelmäßig mehr Strom, als Sie verbrauchen?
  • Möchten Sie Ihre Erzeugung mit Nachbarn, Verwandten oder anderen Einwohnern Ihrer Gemeinde teilen?
  • Gibt es bereits eine lokale Initiative in Ihrer Nähe?

Die Berater von Klima-Agence können Sie mit einer kostenlosen und unabhängigen Beratung unterstützen, um die für Ihre Situation am besten geeignete Lösung zu finden.

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Beispiel für Stromteilung in Luxemburg im Video: Waldbillig

Entdecken Sie in diesem RTL Energietipp das Beispiel der Einwohner der Gemeinde Waldbillig, die im Rahmen einer lokalen Energiegemeinschaft mehrere Stromteilungsgruppen gegründet haben.

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